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Zeitgeschichtliches Archiv

20 Juni 2024

Unter dieser Rubrik konnte man früher die große Presseausschnittarchiv-Datenbank unseres Zeitgeschichtlichen Archivs (ZgA) nutzen. 1.929.176 Presseartikel - DDR, BRD, West-, Ost- und Gesamtberlin - waren hier erfasst. Im Archivplan sind es die Ordner in den Regalen AA bis DB. Der Strich links in DB zeigt das Ende dieser datenbankerfassten Ordner an.

Was ist ein Presseausschnittarchiv? Ein Archiv, lektoriert von zeitgenössischen Fachleuten, in Findhilfen strukturiert, nach Themen zeitchronologisch abgelegt – nicht einer Zeitung, sondern hunderter. Das alles in einem Archivkarton oder einem Ordner. Hier ein Beispiel aus dem ZgA.

So sah seinerzeit unsere Suchmaske aus.

Suchmaske

09.Gustav Just

So zeigte sich das Rechercheergebnis, wenn man z.B. den Namen Gustav Just eingab – er war das Thema der allerletzten Recherche im ZgA. Einhundertdreiundzwanzig Artikel in der Datenbank waren das schnelle Ergebnis. Die Artikel konnten jeweils in minutenschnelle über die Ordner- und Artikelnummer in den Regalen gefunden werden. Zu dieser Peronalie hinzu kamen die vermittels Findhilfen zu recherchierende Artikelkomplexe im Biografienarchiv des ZgA und in den Artikelsammlungen zu politischen Prozessen.

Man wird nirgends sonst erleben, dass via Internet Einzelartikel in dieser thematischen Filtertiefe recherchiert werden können. Die weit gestaffelte Erfassung eines Artikels (Presseorgan, Autor, Artikelüberschrift, Untertitel, Erscheinungsdatum, Institution, Personen und Orte im Artikel, Land und Deskriptor), wie das ganze System ZgA, ist das Verdienst sehr sehr vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier arbeitsweltlichen Anschluss durch Fördermaßnahmen fanden. Hier unser Mitarbeiter-Sommerfest 2009 im ZgA.

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Fördermaßnahmen, das war das Mittel des vormaligen Sozialstaates BRD und wie diesen, gibt es sie so gut wie nicht mehr.

Unser Archiv-Kollektiv kann stolz darauf sein, dass es gelang, die Sammlungen des ZgA drei Jahrzehnte vor der Vernichtung zu bewahren. Die Arbeit unserer in Berlin und Brandenburg nach tausenden zählenden Kolleginnen und Kollegen in sogenannten Fördermaßnahmen ist hoch einzuschätzen. Sie restaurierten die Sammlungen (fast der gesamte Bestand der Ordner wurde getauscht, Überfüllungen in A-B-Ordner geteilt, tausende Archivkartons durch neue Ordner ersetzt, gedruckte Archiv-Findhilfen in Excel erfasst etc.) und sie schufen über die Jahrzehnte diese wohl einzigartige Datenbank mit den über 1,9 Mio. darin erfassten Artikeln, das waren die sogenannten Rotpunktordner. Nicht wenige Ordner wurden über die Jahre auch von Kolleginnen und Kollegen digitalisiert, die gehörlos geboren, so einen leidensgerechten Arbeitsplatz fanden. Diese Ordner erhielten damals einen grünen Punkt.

 

Nun, nachdem alles geschafft ist, traf sich unser Archivkollektiv, inzwischen Rentner, noch einmal zu einem Abschlussessen in Marzahn.

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Wir freuten uns, dass es auf der Welt Einrichtungen gibt, die Zeitungs- und auch Presseartikelsammlungen als Kulturgut zu schätzen wissen und sich für deutsche Geschichte interessieren ... wer weiß schon, dass es in den USA eine DEFA Film Library nebst universitärem Forschungsbereich gibt oder das Wende-Museum, ein Kunstmuseum, Kulturzentrum und Archiv des Kalten Krieges mit umfangreichen Pressesammlungen? Das Interesse an der deutschen Doppelbiografie wie sie wirklich verlief, ist im Ausland groß.